Die zwei Gesichter der Intelligenz

Zwei Kinder: Das eine ist beliebt und ausgeglichen, das andere eher ein Einzelgänger und oft unglücklich. Eines ist außerdem sehr begabt. Was meinen Sie: welches von beiden? Wenn Sie sich für den traurigen Einzelgänger entschieden haben, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Der Volksmund kennt viele Redewendungen, die nahelegen, dass sich Intelligenz und Glück nicht besonders gut vertragen: »Dummheit ist ein gutes Ruhekissen«, »Selig sind die geistig Armen« oder »Dummheit trägt man leichter als Weisheit«. Die Wirklichkeit ist allerdings vertrackter.

Zunächst einmal ist hohe Intelligenz in unserer westlichen Gesellschaft ein begehrtes Gut, verheißt sie doch zumindest aus statistischer Perspektive Erfolg, ein höheres Einkommen und sogar eine bessere Gesundheit. Aber der Zusammenhang zwischen Intelligenz und Wohlbefinden scheint weit weniger eindeutig zu sein. Ein Blick in die Literatur zeigt: Es ist gar nicht so leicht zu sagen, ob höhere Intelligenz eher mehr oder eher weniger Glück mit sich bringt. Einige Studien offenbaren keinen Zusammenhang zwischen individuellem IQ und Glück. Andere hingegen weisen darauf hin, dass Intelligenz in Sachen Glück durchaus seine Vorzüge hat. In einer Untersuchung des University College London aus dem Jahr 2013 gaben Versuchspersonen mit einem vergleichsweise niedrigen IQ (70–99) ein niedrigeres Glücksniveau an als jene mit höherem IQ (120–129).