125. Ergänzung – ein Jubiläum!

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Mein Rätsel für Sie: Seit wann gibt es das „Handbuch der Schulberatung”? Wenn es jährlich vier Lieferungen gäbe, dann kämen wir auf 2021 – 125/4 = 1989 – falsch, denn anfangs waren es nur 2 Lieferungen, aber 1958 waren wir noch nicht so weit.

Das „Handbuch der Schulberatung” hat nämlich zwei Quellen:

  1. Der amtliche Zufluss

Die Schulberatung, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich mit einer bundesweiten Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) erst ab 14. September 1973 – aus diesem Jahr, vom 19. April 1973, stammt auch die Grundordnung der Schulberatung in Bayern. Kein Zufall, denn beides wurde vom gleichen Menschen mit großer Energie vorangetrieben: Ministerialrat Herbert Rauscher. Da er am 1. September 1973 bei einer Bergtour im Rofan tödlich verunglückte, konnte er nicht mehr miterleben, zu welchen Blüten seine Ideen wuchsen.

Es waren vor allem die Länder Baden-Württemberg und Bayern die das KMK-Konzept schnell umsetzten. Während in Baden-Württemberg das dem Kultusministerium nachgeordnete „Landesinstitut für Erziehung und Unterricht ” (LEU) ab 1975 bereits einen regelmäßigen Informationsdienst für Schulpsychologen und Beratungslehrkräfte als amtliche Loseblattsammlung herausgab, fehlte etwas Vergleichbares in Bayern. Die pro Jahr nur 4 bis 8 Seiten mit „Informationen zu Schulberatung” des bayerischen Kultusministeriums waren viel zu wenig. Da waren die von den Schulberatern (so hießen damals die Leiter der Schulberatungsstellen) bei Dienstbesprechungen weitergegebenen Unterlagen zu Schulberatung schon viel mehr. Aber auch die gab es nur einmal im Jahr, laienhaft hergestellt. Die EDV für die Verbreitung der Informationen zur Schulberatung einzusetzen – auch daran wurde, zuerst mit dem Bildschirmtext BTX, in Stuttgart gearbeitet.

Der umfangreiche Informationsdienst aus Baden-Württemberg passte aber inhaltlich nicht für Bayern und das vergleichbare Institut in Bayern, das Staatsinstitut für Schulpädagogik (ISP), hatte noch kein, alle Schularten umfassendes, Referat Schulberatung. Da war der zuständige Referent im Kultusministerium froh, dass sich aus der Schulberatungsstelle Oberbayern West heraus eine Initiative entwickelte, in Kooperation mit den anderen Schulberatungsstellen und einem Verlag kommerziell eine Loseblattsammlung für die Schulberatung aufzulegen. Schriftlich bestätigte er das Interesse des Kultusministeriums und gab auch sein Einverständnis, dass die in den Schulberatungsstellen für die jeweiligen Bezirke dienstlich geschriebenen Texte auch für das „Handbuch der Schulberatung” der mvg verwendet werden können. Auch die Expertisen, mit denen Schulpsychologen und Beratungslehrern in den Bezirken fortgebildet worden, fanden und finden überregional ihren Ort im Handbuch.

  1. Der Zufluss der Management- Publikationen

Der 1952 gegründete Verlag moderne industrie (mi) in Landsberg am Lech ent­wickelte mit seiner Tochter mvg (moderne Verlagsgesellschaft) in München-Moosach ein Programm mit Ratgebern und Büchern zur Lebenshilfe, vor allem aber Lose­blattsammlungen für das Management: Die Gründer waren ja die Wirtschafts­jour­nalisten Wolfgang Dummer und Norbert Müller. Sie wollten mit einem „Handwör­terbuch der Schulleitung” auch das Schulmanagement innovieren. Zusammen mit Jürgen Lachner und Friedemann Lösch startete ich 1977 als dessen Herausgeber.

Die Resonanz war so gut, dass ich im nächsten Schritt an das „Handbuch der Schulberatung” herangehen konnte. Autoren und die Erfahrungen von ein paar Jahren mit dem „Handwörterbuch der Schulleitung” halfen beim Start. Da Bayern keinen amtlichen Informationsdienst für die Fachkräfte der Schulberatung hatte, waren die Aussichten für die auf zwei Ordner angelegte Loseblattsammlung für den Verlag rosig. Rot wurden die Ordner allerdings erst später, nämlich bei der Weiterführung der Loseblatt­sammlung ab 2017 durch die Mediengruppe Oberfranken (mgo) in Kulmbach. Bei der mvg bzw. beim Olzog-Verlag waren sie noch grün (scherzhaft als „der grüne Honal” gehandelt) bzw. weiß mit grüner Aufschrift.

Einen Begleiter hatte ich seit dem Start bei der mvg bis 2016: den Verleger Dr. Reinhard Möstl. 1998 kaufte er den Olzog-Verlag aus dem Verlag mi heraus und begann dort das crossmedia-System. Auch unser Handbuch konnte, mit Doris Graf und Dr. Franz Knoll als Co-Herausgeber, damit, wie andere Lernhilfen, artikelweise digital (überraschend oft) aus dem Internet heruntergeladen werden. Altersbedingt verkaufte Dr. Möstl alle „crossmedialen Programme“ wie das „Handbuch der Schulberatung” 2017 an die Mediengruppe Oberfranken (mgo). Dort wird nun breit angelegt die Internet-Präsenz des Handbuchs vorangetrieben. Sonderausgaben erschließen weitere Interessengruppen.

Zurück zum Rätsel: weder 1989 noch 1958 wurde das Handbuch der Schulberatung gegründet. Das mir noch vorliegende erste Werbeschreiben an „Beratungslehrer, Schuljugendberater und Schulpsychologen” für das Grundwerk mit ca. 200 Seiten für 48,- DM und der Aussicht auf halbjährlichen Nachlieferungen stammt von 1983. Also haben wir 2023 schon wieder ein Jubiläum: 40 Jahre Handbuch der Schulberatung.

Werner H. Honal, Herausgeber